Die beiden letztgenannten Möglichkeiten sind durch das Sponsoring von
Krankenhäusern, Kirchgemeinden, Friedhöfen und Bestattern für
die Eltern kostenfrei.
Zur gemeinsamen Beerdigung werden die Eltern, die sich so entschieden haben,
eingeladen. Ihr Kind wurde in eine Decke, ein Jäckchen oder ein Tuch eingewickelt,
die sie selber herausgesucht und gestaltet haben. Sie werden in der Pathologie
vorsichtig darin eingepackt. Briefe und kleine Kuscheltiere liegen dabei. So
haben die Eltern eine Vorstellung davon, wie sich ihr Kind jetzt im Sarg befindet.
Sehen können sie sie jetzt nicht mehr. Aber viele Eltern haben die Möglichkeit
genutzt, im Kreißsaal ihr verstorbenes Kind anzusehen und in den Arm zu
nehmen. Die Kinder liegen in einem Sarg, der von der Künstlerin Liz Mields-Kratochwil
jedes Mal anders gestaltet wurde. So ist für jeden spürbar: in diesem
Sarg liegt etwas sehr kostbares. Sie erleben zur Trauerfeier auch andere Mütter
und Väter. Auch wenn sie gefangen sind in ihrer Trauer merken sie, sie
sind nicht allein mit ihren Sorgen.
In Berlin gibt es etwa 7 Friedhöfe, die sich in ganz besonderer Weise der
Problematik stillgeborener Kinder annehmen. Für die Eltern ist dies unendlich
wichtig, in ihrer Trauer einen guten Platz für ihr Kind zu wissen und auch
den Zugang dazu zu haben. Zugleich ist es wichtig, die Eltern in der Trauer
um ihr Kind nicht festzulegen. Am Anfang kommen einige Eltern oft. Sie treffen
sich miteinander, manche schließen Freundschaften am Grab ihrer Kinder.
Aber wer weiß, wo sie morgen Arbeit und Wohnung haben werden. Darum ist
es gut, daß die meisten dieser Grabflächen nicht von den Eltern selber
gepachtet werden müssen, um ihrem Kind einen würdigen Platz zu geben.
Trauer verändert sich; und wenn das Leben sich wendet, kommen sie an der
Grabstelle in einigen Jahren vielleicht mit einem gesunden Geschwisterkind vorbei.
Sie können selber entscheiden, wie lange ihnen ein häufiger Besuch
dieses Ortes wichtig ist und wann sie ihn wieder etwas mehr aus dem Blick verlieren
wollen.
Wie gut, daß es da Kirchgemeinden gibt, die Grabstellen zur Verfügung
stellen, Friedhöfe, die sich weitherzig auf die trauernden Eltern einlassen,
Pathologen, die mit den Kleinen vorsichtig und liebevoll umgehen, Bestatter,
die kostenlos helfen: Menschen mit Phantasie und Herz. Den Dank der Eltern,
der in unserer Nachsorgegruppe häufig geäußert wird, gebe ich
Ihnen allen hiermit gern weiter!
Ingrid Hamel
Krankenhausseelsorgerin
Februar 2005
Anmerkung der Redaktion: Eine solche Begräbnisstätte gibt es unter anderem auf dem Kreuzfriedhof in Lankwitz.