Friedhöfe werden zu Parks
Fast die Hälfte der Bestattungsfläche überflüssig - Senatsumweltverwaltung legt Entwicklungsplan vor
von Florentine Anders
Berlin - Fast die Hälfte der Fläche der Berliner Friedhöfe ist überflüssig. Deshalb hat die Senatsumweltverwaltung einen Entwicklungsplan erarbeitet, der gestern im Senat vorgelegt wurde. Darin wird aufgelistet, welche Flächen künftig für Bestattungen geschlossen werden sollen, um sie langfristig als Grünfläche umzunutzen.
Der Plan ist längst überfällig. Die Einwohnerzahl der Vier-Millionen-Stadt ist gesunken, und die Sterberate ist rückläufig. Schließlich setzt sich der Trend zu kostengünstigen und Platz sparenden Urnenbestattungen in Gemeinschaftsgräbern fort. Urnen benötigen nur ein Fünfundzwanzigstel der Fläche einer Erdgrabstätte. Inzwischen erfolgen 36 Prozent aller Bestattungen in derartigen Anlagen. Vor dreißig Jahren gab es diese Form der Beisetzung in Berlin noch nicht.
Doch selbst wenn von einem Flächenbedarf von zwei Quadratmetern pro Einwohner ausgegangen wird, ergibt sich bis zum Jahr 2015 ein Überschuss von fast 400 Hektar. Im unmittelbaren Berliner Umfeld kommen noch einmal 296 Hektar hinzu, die nicht gebraucht werden.
Dabei ist der Platz, der nicht benötigt wird, in den Bezirken unterschiedlich groß. In Pankow können nach Angaben Senatsverwaltung in zehn Jahren 78 Hektar anderweitig genutzt werden und in Neukölln 50 Hektar. Der einzige Bezirk, in dem es zu wenige Friedhöfe gibt, ist Marzahn-Hellersdorf. Hier fehlen 15 Hektar Fläche.
Laut Gesetz dürfen Friedhöfe nur in Grünflächen umgewidmet werden. Bebaut werden dürfen lediglich Rand-Flächen, die vorher nicht für Grabstätten genutzt wurden. Prinzipiell muss vor einer Umwidmung mindestens eine Ruhefrist von 20 Jahren eingehalten werden. Kurzfristig können demnach nur Teilbereiche, die bereits seit Jahren nicht mehr für Bestattungen vorgesehen sind, frei gegeben werden. So soll beispielsweise ein Teilstück des St.-Thomas-Friedhofs an der Hermannstraße in Neukölln Hundeauslaufgebiet werden.
Ein Grundproblem bleibt: "Die Frage der Finanzierung ist noch völlig ungeklärt", sagt Arne Ziekow vom Konsistorium der evangelischen Landeskirche, der immerhin mehr als die Hälfte der Berliner Friedhöfe gehören. Die Kirche jedenfalls könne die Pflege der Grünanlagen nicht übernehmen. Die Senatsverwaltung sieht sich ebenfalls nicht in der Lage, die zusätzlichen Kosten zu tragen.
Schon jetzt stecken die Kirchen angesichts ihrer zahlreichen Friedhöfe in einer Finanzkrise, denn die Urnenbestattung ist nicht nur Platz sparend, sondern auch billiger. "Die Einnahmen reichen für den Bestattungsbetrieb nicht mehr aus", sagt Ziekow.