Konsistorialrat Dr. Arne Ziekow

Stellv. Vorsitzender der Stiftung Historische

Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg

 

 

Ansprache zum 15jährigen Jubiläum der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg am 27. August 2004

Herzlich willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Herzlich willkommen im Namen der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg. 15 Jahre sind eigentlich keine lange Zeit, zumal im Friedhofswesen, wo man in anderen zeitlichen Dimensionen zu denken hat. 15 Jahre sind aber doch Zeitspanne genug, um Bilanz zu ziehen und sich des eigenen Standortes zu vergewissern.

1989 als "Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin" – damals also noch ohne Brandenburg – durch die sieben Erststifter – die Bezirksverordnetenversammlungen und Kirchenkreise Kreuzberg und Schöneberg, die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg, die Kirchengemeinde St. Matthäus und die Arbeitsgemeinschaft Historische Kirchhöfe und Friedhöfe e.V. – ins Leben gerufen, verfolgt die Stiftung einen Zweck, dem größeres öffentliches Interesse nicht ohne Weiteres zuteil wird. Fragen von Tod und irdischer Endlichkeit sind nun einmal keine, die in unserer Gesellschaft breit diskutiert würden. Und diese Tabuisierung des Todes fällt mitunter auch auf die Stätten der Toten – die Friedhöfe – zurück.

Dass diese auch Orte von hohem kulturhistorischen Rang sind, die gepflegt und erhalten, restauriert und wissenschaftlich erfasst werden müssen, gerät dabei aus dem Blick. Und der einzelne Friedhofsträger ist gerade bei Friedhöfen mit hohem denkmalrelevanten Bestand mit einer solchen Aufgabe überfordert. Satzungsgemäße Zielsetzung der Stiftung ist deshalb "die Erforschung von historischen Kirch- und Friedhöfen sowie die Erhaltung, Bewahrung, Wiederherstellung und Pflege von Kirch- und Friedhofsanlagen, deren Gebäude und Grabstätten, soweit es sich dabei um kulturell oder historisch wichtige Bauwerke handelt und soweit für die oben genannten Aufgaben keine ausreichenden öffentlichen Mittel zur Verfügung stehen". Letzteres ist – und damit verrate ich wahrlich kein Geheimnis – nun aber der Normalzustand.

Dennoch ist es der Stiftung in den vergangenen 15 Jahren gelungen, rund 7,8 Mio. Euro zu akquirieren und satzungsgemäß zu verwenden und damit ca. 600 Denkmäler inklusive gärtnerischer Anlagen und Ensembles vor dem Verfall zu bewahren. Darunter waren Großprojekte wie das auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf, aber auch die Restaurierung einzelner Grabmäler. Ohne die Arbeit der Stiftung wären wir daher um manches herausragende Zeugnis vergangener Zeiten ärmer. Wenn Sie sich nachher über die hiesigen Friedhöfe führen lassen, werden Sie merken, welche Faszination die Stätte der Toten auf die Lebenden ausüben kann.

Zwar lässt sich in der letzten Zeit ein verstärktes Interesse der Öffentlichkeit an friedhofsspezifischen Thematiken feststellen. Dies kommt z. B. in den Teilnehmerzahlen an den durch die Stiftung regelmäßig angebotenen Führungen über ausgewählte Friedhöfe zum Ausdruck. Oder auch an der Bereitschaft von Bürgern, eine der von der Stiftung vermittelten Grabpatenschaften zu übernehmen und damit wertvolle Grabmäler, an denen keine Nutzungsrechte mehr bestehen, vor dem Verfall zu bewahren und zugleich eine Bestattungsoption für den eigenen Todesfall zu gewinnen. Angesichts der großen Probleme, vor denen kirchliche wie staatliche Friedhofsträger in Berlin stehen – in der Stadt gibt es etwa doppelt soviel Friedhofsfläche, wie benötigt wird – wird es aber zukünftig darauf ankommen, noch breitere Kreise der Bevölkerung für die Thematik zu interessieren und sie für den immensen kulturellen Verlust zu sensibilisieren, der bei einem ungebremsten Verfall unserer Friedhöfe droht. Dass dies mit der Hoffnung verbunden ist, auch das Bewusstsein für die Bestattungskultur zu stärken, will ich nicht verhehlen.

Wir sind Ihnen, sehr geehrter Herr Staatssekretär Schmitz, daher für die Übernahme der Schirmherrschaft über die heutige Veranstaltung, aber auch für Ihr großes und engagiertes Interesse an der Problematik insgesamt sehr verbunden und ich möchte Ihnen dafür seitens der Stiftung ganz herzlich danken.

Mein Dank gilt auch allen anderen, die die Arbeit der Stiftung als Mitarbeitende oder Förderer unterstützen. Dies gilt für die Mitglieder des Fachbeirates ebenso wie für die des Vorstandes, für die Geschäftsführerin ebenso wie für die Verantwortlichen in der Öffentlichkeitsarbeit und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der mit der Durchführung der Einzelprojekte betrauten Büros. Gedankt sei natürlich auch denen, die den Stiftungszweck durch Spenden oder Kooperationsprojekte – genannt sei hier stellvertretend die Knobelsdorffschule für Bautechnik – unterstützen. Wir hoffen, dass sich die Zahl derer noch vermehren wird.

Vermehrt hat sich in erfreulicher Weise seit der Stiftungsgründung die Zahl der Zustifter. Heute gehören der Stiftung 19 Stifter an, die Träger von rund 45 Friedhöfen sind. Für einen der Gründungsstifter, die Evangelische Landeskirche, hat mich Bischof Dr. Wolfgang Huber – der ebenso wie andere kirchenleitende Personen durch die parallel stattfindende Sitzung der Kirchenleitung verhindert ist – gebeten, Ihnen ein Grußwort zu übermitteln, was ich im Folgenden gern tun möchte:

Der Bischof schreibt:

"Sehr verehrte Damen und Herren,

Friedhöfe sind Orte des Gedenkens an die Verstorbenen und der Gedanken an die eigene Vergänglichkeit, Orte der Trauer, aber auch Orte der Zuversicht in das, was über das irdische Leben hinausreicht. Sie sind deshalb von alters her wesentlicher Bestandteil kirchlichen Selbstverständnisses und es ist somit kein Zufall, dass die damalige Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg gemeinsam mit den Kirchenkreisen Kreuzberg und Schöneberg und der Kirchengemeinde St. Matthäus zu den Erststiftern der "Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg" gehörte – ebenso wenig wie es Zufall ist, dass die Kirchhöfe im Stiftungsnamen gesonderten Niederschlag gefunden haben.

Friedhöfe sind darüber hinaus aber auch zeitgeschichtliche Zeugnisse, an denen sich der Umgang vergangener Generationen mit dem Thema "Tod und Gedenken" ablesen lässt. In Zeiten, in denen dem biblischen "Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen; Du bist mein" ein ungebrochener Hang zur Auslöschung des Namens Verstorbener durch anonyme Bestattungsformen gegenübersteht, mag man mitunter wehmütig auf die großen Mausoleen und Grabanlagen vergangener Zeiten blicken.

Umso wichtiger ist es, dass diese als Dokumente der Kulturgeschichte unserer Region auch künftigen Generationen erhalten bleiben. Diesem Ziel widmet sich die "Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg" seit nunmehr 15 Jahren. Vieles konnte in dieser Zeit vor dem Verfall bewahrt werden, noch mehr ist ihm in Zeiten knappen Geldes nach wie vor ausgesetzt. An Aufgaben wird es der Stiftung daher auch künftig nicht mangeln, wobei zu wünschen ist, dass auch Friedhofsträger im Land Brandenburg verstärkt von dem in der Stiftung vereinten Sachverstand zur Bewahrung ihrer Kirch- und Friedhöfe Gebrauch machen. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz jedenfalls bekennt sich zu ihrer Verantwortung als Erststifter und wird die wichtige Arbeit der Stiftung auch in Zukunft unterstützten.

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung und ihren Freunden und Förderern danke ich herzlich für das bisher Geleistete; zugleich wünsche ich ihnen viel Kraft für die wichtigen Aufgaben der Zukunft. Es bleibt zu hoffen, dass die Stiftungsarbeit künftig noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit findet und dazu beiträgt, dass Menschen sich ach in Zukunft den Fragen von Sterben und Vergänglichkeit stellen – aufrichtig und getragen von einer Hoffnung über den Tod hinaus.

Mit den besten Wünschen für das Jubiläum grüßt Sie

Ihr

 

Bischof Dr. Wolfgang Huber"

 

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer dem Dank an jene, die den heutigen Tag so engagiert vorbereitet haben und dem Wunsch, dass Sie, meine Damen und Herren, die Sache unserer Stiftung auch künftig wohlwollend begleiten.

Ich wünsche uns allen einen interessanten und schönen Nachmittag.

Vielen Dank!