"Der katholische Friedhof wurde 1834 geweiht. Er löste den
ersten katholischen Friedhof am Oranienburger Tor ab, dessen Gelände
seit Anfang des 20. Jahrhunderts mit Mietshäusern bebaut wurde. 1866/67
wurde auf der Nordhälfte des dreieckigen Territoriums eine Friedhofskapelle
mit einem der italienischen Renaissance nachempfundenen Schmuck aus Terrakottaformsteinen
und Kupferdach errichtet, die 1987 originalgetreu wiederhergestellt worden
ist. Eine beträchtliche Zahl von Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten
und Zeugnisse der Berliner Grabmalkunst vom Klassizismus bis in unser
Jahrhundert findet man auf dem A., so die in der Nähe des Eingangs
stehenden beiden 3 m hohen knieenden Marmorengel von Joseph Limburg (18741955)
... Der Friedhof ist ein Gartendenkmal."
Im folgenden finden Sie eine Liste der historisch der kunsthistorisch
interessanten Grabstellen:
( * - Ehrengrab des Landes Berlin. Eine Liste der Ehrengräber des
Landes Berlin finden Sie hier.)
Barmherzige Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus
Schwestern des St.-Hedwigs-Krankenhauses
Schwestern von der Heiligen Elisabeth
Lorenz Adlon (1849-1921), Hotelier, Weingroßhändler,
begründete das Hotel Adlon am Pariser Platz; Marmor-Porträtrelief
von Walter Schhott
Familie Arnstein, Wandgrab mit galvanoplastischem Engel aus
der Werkstatt W. Henze
Carl Begas d.Ä. (1794-1854), Maler, ursprüngliches
Granitmonument mit einem Marmorbildnis von Reinhold
Begas zerstört und durch neue Stele ersetzt
Jules Brunfaut (1873-1928), Meisterkoch
Peter von Cornelius (1783-1867), Maler
Herrmann Dyckhoff (1853-1916), Textilfabrikant
Franz Anton Jakob Egells (1788-1854), einer der Hauptbegründer
der deutschen Maschienenbauindustrie, Wandgrab mit klassizistischen
Eisengitter; ein gleiches an der Rückseite für die verwandte
Familie Rudolf von Renvers (1854-1927), Mediziner
Enrique Gil y Carasco (1815-1846), spanischer Maler und Romancier,
Botschaftssekretär in Berlin, nach 1986 nach Spanien überführt
Ceccardo Gilli (1798-1862), Bildhauer, mit einem Marmor-Porträtmedaillon
von seinem Sohn Alexander
Ernst Eberhard von Ihne (1848-1917), Baumeister
(u.a. Staatsbibliothek Unter den Linden, Bodemuseum, Neuer Marstall),
1956 aus der Gruft der kriegszerstörten Hedwigskathedrale überführt
Thodor Jansen (1829-1665), Justizrat, Basaltstele mit Marmormedaillon
von Rudolf Schweinitz (1887)
Im I. Weltkrieg gefallene Söhne der Familie Kappel, monumentales
Tuffsteindenkmal von Hans Dammann
Wilhelmine Enke, geadelte Gräfin Lichtenau (1752
1820), legendäre Mätresse Friedrich Wilhelms II. von
Preußen, 1943 aus der Gruft der kriegszerstörten Hedwigskathedrale
überführt
Bernhard Lichtenberg (1875-1943), Kommunalpolitiker, Domprobst,
wegen Widerstand gegen Judenverfolgung und Euthanisie verurteilt, starb
er auf dem Weg ins KZ Dachau; 1965 in die Krypta der St.-Hedwigs-Kathedrale
überführt; 1996 von Johannes Paul II. selig
gesprochen
Anna Milder-Hauptmann (1785-1838), Sopranistin, 1805 die Leonore
in Beethovens "Fidelio"
Johann Georg Patzenhofer (1815-1873), Brauereigründer
von Renvers s. Egells
Therese Renz (1859-1938), Kunstreiterin aus der bekannten Berliner
Zirkusfamilie
Familie Rilz (1888) Grabmal im Stil der Neorenaissance
Margaretha Louisa Schick (1773-1809), Schauspielerin, Grabmal
von Schadow verloren
Carl Sonnenschein (1876-1929), Theologe, Begründer der
katholisch-sozialen Studentenbewegung, Holzkreuz mit expressionistischem
Bronzekruzifix von Hans Perathoner (1935)
Josef Sucher (18431908), Komponist und seine Frau, die
Opernsängerin Rosa Sucher (18471927), Grabmal verloren
Ernst Thrasolt (1878-1945), eigentlich Matthias Tressel, Priester
und Dichter,
Pietà von Rudolf Heltzel (1955)
Fürst Franz Leo Benedikt Waldeck (1802-1870), Politiker
(Fortschrittspartei), Bismarckgegener, Grabmal verloren
Karl Weierstraß (1815-1897) Mathematiker
II 41 21-23*
Klaus Hammer: Historische Friedhöfe in Berlin. Berlin: Stattbuch-Verl.,
1994